Bernina – unser “Porsche”

Von 24. August 2018 Allgemein, Nähmaschinen

Bernina ist eine Nähmaschinenfabrik in Steckborn in der Schweiz. Auch sie stellen nicht mehr alle Modelle in der Schweiz her, einige kommen aus einem Werk in Thailand. Trotz alledem legt Bernina großen Wert auf eine sehr exakte und genaue Konstruktion ihrer Nähmaschinen – und dass ist das Wesentliche einer Nähmaschine.
Die Elektronik ist perfekt durchdacht und hat Features die andere nicht haben.

Konstruktion
Das tragende Ständerwerk aus Leichtmetall, mit Stahlplatte als rückwärtiger Versteifung und mit Kunststoff verschalt.
Der Antrieb erfolgt über Zahnriemen und einem Riemengetriebe zur Erhöhung der Durchstichkraft, durch den separaten Spulermotor ist keine Handradauslösung notwendig.
Die Stich- und Transportsteuerung läuft über sehr schnelle Schrittmotore, deshalb muss die Motorgeschwindigkeit bei komplizierten Mustern kaum gedrosselt werden.
Das Transportsystem ist exakt und kommt bei dicken hügeligen Stoffen an die Qualtiät von Maschinen mit doppeltem Stofftransport ran.
Insgesamt baut Bernina eine sehr gute und genaue Mechanik. Das hat seinen Preis, aber ist ein Preis, den man nur einmal in seinem Leben bezahlt, die hohe Nähqualität wird euch jeden Tag auf´s neue begeistern.

Eines der wichtigsten Merkmale einer Nähmaschine ist, neben der Konstruktionsqualtiät, die Nähtechnik, kurz Greifer genannt.

Bernina baut verschiedene Greifersysteme, je nach Anforderung.

Der CB-Greifer näht grundsätzlich den schönsten Stich, der Faden wird bei der Stichbildung nicht verdreht. Allerdings muss ein ziemlicher Aufwand betrieben werden um diesem Greifer seine Unarten auszutreiben, die er in billigen Nähmaschinen nur zu deutlich zeigt.
Im Bild seht ihr rechts den herkömmlichen alten CB-Greifer und links den Bernina Greifer. Die Greiferbahn und Greiferspitze sind deutlich schmaler geworden. Dadurch wird der Faden viel seltener in der Greiferbahn eingeklemmt. Der Greifer ist filigraner gebaut und wesentlich leichter als der übliche. Dadurch läuft die Maschine leiser und der Greiferantrieb wird nicht allzu stark belastet.
Der CB-Greifer kann bis zu einer Stichbreite von 5,5mm eingesetzt werden.
Eine Bernina mit CB-Greifer näht die dünnste Seide ohne Probleme, und auch sehr dicke Stoffe werden befriedigend genäht.

Auch Bernina setzt in einigen Modellen den klassischen doppelt umlaufenden Greifer (DUG) ein. Er kann bis zu 9mm breite Stiche nähen. Der DUG ist zwar sehr robust und langlebig, hat jedoch auf manchen Stoffen nicht die Stichqualiät, die ich von einer Bernina erwarte. Ich nehme an genau aus diesem Grund hat Bernina den B9-Greifer entwickelt.

Der B9-Greifer ist ein Mittelding zwischen DUG und CB-Greifer. Die Spule hat ein etwa 80% größeres Fassungsvermögen als herkömmliche Spulen.
Bernina hat den B9-Greifer genauso verfeinert und weiterentwickelt wie den CB-Greifer. Bemerkenswert sind die beweglichen Antriebsnocken, die eigentlich die Treiber dieses Greifers sind. Vom Treiber werden rausnehmbare Greifer, wie der CB- und der B9-Greifer, angetrieben. Durch die Lücke zwischen Treiber und Greifer muss bei jedem Stich der Faden schlüpfen, das macht ein Geräusch und wirkt sich auf das Stichbild aus. Beim B9 sind diese Treibernocken beweglich, das heißt, die Nocke, an der gerade der Faden vorbei muss, ist versenkt und die jeweils andere übernimmt den Antrieb. Dadurch wird der Greifer leiser und der Stich gleichmäßiger. Bei guten Industriemaschinen ist diese Technik ein Standard.
Der Greifer ist vollständig aus Metall, die Spulenkapsel ist aus Kunststoff, das ist jedoch kein Nachteil. Das entnehmen der Kapsel aus dem Greifer ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil total ungewohnt, Sie drücken ein Hebelchen und die Kapsel wird von einer Feder rausgedrückt, je nachdem wie Sie drücken kommt die Kapsel Ihnen auch schonmal entgegen geflogen. Aber das ist einfach eine Gewöhungssache.
Die Stichqualität ist etwas schlechter als bei einem CB-Greifer aber besser als bei einem DUG. Der Greifer kann bis zu 9mm breite Stiche verarbeiten.

Den Unterfaden braucht ihr nicht mehr heraufholen
Viele Nähmaschinenhersteller machen Werbung damit, dass der Unterfaden vor dem nähen nicht nach oben geholt werden muss.
Das funktioniert bei Bernina natürlich auch wie bei jeder anderen Nähmaschine allerdings auch.
Jede Nähmaschine holt sich beim ersten Stich immer automatisch den Unterfaden, ob nun oberhalb der Stichplatte liegt oder nicht. Der Knackpunkt ist aber einfach, dass der Unterfaden die richtige Länge haben sollte. Ist er zu kurz, wird er beim ersten Stich nicht mitgenommen, ist er zu lang, näht er sich unter dem ersten Stichen fest – sehr unschön. Die optimale Länge liegt so etwa bei 3-4 cm. Die moderen Maschine bewältigt das einfach mit einem kleinen Messer welches den Unterfaden auf die richtige Länge abschneidet.

Nadelpositionierung
Das Nützlichste was die Elektronik zum nähen beitragen kann, ist die Nadelpositionierung.
Eine Nähmaschine macht bei jeder Handradumdrehung einen Stich. Wenn ihr mit einer “normalen” Maschinen aufhört zu nähen, bleibt die Maschine irgendwo stehen. Die Nadel ist mal oben mal unten mal irgendwo dazwischen aber nur an einem genauen Punkt ist die Maschine mit ihrem Stich fertig. Der Punkt ist erreicht, wenn der Fadengeber an seiner höchsten Stelle ist und nicht wenn die Nadel in höchster Stellung ist. Der Fadengeber ist etwas später als die Nadel, das ist ein kleiner, aber sehr wichtiger Unterschied. Nur in dieser Stellung lässt sich der Stoff problemlos wegnehmen. Bei nicht elektronischen Maschine macht man das üblicherweise manuell am Handrad. Die Nadelpositionierung hält die Maschine immer so an, dass der Fadengeber oben steht. Sie brauchen eigentlich nie wieder am Handrad drehen. Bei Bernina können Sie per Knopfdruck auswählen, dass die Nadel in der tiefsten Position im Stoff stecken bleibt, so könnt ihr den Stoff um die Nadel drehen.

Ein weiterer Nebeneffekt dieser Nadelpositionierung ist die sehr genaue Steuerung der Maschine über den Fußanlasser. Wenn ihr den Anlasser kurz antippt, näht die Maschine genau einen Stich und stellt sich wieder in ihre ursprüngliche Position – super praktisch

Kniehebel
Super praktisch, ihr gwöhnt euch ganz schnell an diesen Komfort. So unscheinbar und unbekannt dieses Teil auch ist, es ist grandios und erleichtert die Arbeit 🙂
Der Kniehebel wird beim nähen mit dem rechten Knie gedrückt, dadurch hebt sich der Nähfuß an. So braucht ihr nicht mehr hinter die Maschine greifen um den Nähfuß anzuheben. So habt ihr immer beide Hände für den Stoff frei. Gleichzeitig wird dabei der Transporteur versenkt, so stört er beim einlegen des Stoffes nicht. Beim nächsten Stich ist er dann wieder da.
Grundsätzlich hat jede Industrienähmaschine einen Kniehebel.
Wenn ihr noch nie mit einem Kniehebel genäht haben, ist der Vorteil schwer einzuschätzen – probiert es aus.
Nach spätestens einer Stunde werdet ihr ihn lieben und wollt ihn nicht mehr missen.
Ein Tip: Kauft keine Bernina ohne Kniehebel.

Anschiebetisch
Der Anschiebetisch vergrößert die Nähfläche. Er wird ganz einfach an den Freiarm angeklickt. Er hat keine “Beine”, sobleibt der Freiarm unten offen, bei Bernina leidet aber die stabilität trotzdem nicht. Durch das kleine Sichtfenster ist das wechseln der Spule kein Problem.

Als Nählicht dienen der Bernina hochmoderne Leuchtkörper. Das Nähfeld wird so optimal und sehr hell ausgeleucht.

Stichbreite, Stichlage und Stichlänge
Bei Bernina sind alle Stiche vorprogrammiert.
Das heißt für euch, weniger Arbeit. Sobald ihr einen Stich über die Nummerntastatur oder den Touch-Display ausgewählt habt, stellt die Maschine automatisch die perfekten Grundeinstellungen ein.
Jeden Stich den ihr ausgewählt, wird sofort anständig nähbar. Stichbreite, -länge und -lage sind voreingestellt.
Selbstverständlich könnt ihr alle drei Parameter manuell ändern, wenn ihr etwas ganz spezielles nähen möchten. Es gibt ja immer etwas, was gerne eine Sonderbehandlung hätte, wie zum Beispiel eine Appliziernaht.
Eine Appliziernaht ist ein ganz normaler Zick-Zack-Stich. Die Breite ist Geschmacksache, jedoch sollte die Stichlänge so eingestellt sein, das sich eine schöne Raupe bildet. Dafür sollte die Stichlänge etwa 0,3mm betragen, der genaue Wert ist vom Stoff abhängig.
Bernina speichert die Änderungen des Stiches solange die Maschine eingeschaltet ist. So könnt ihr zwischendurch auch etwas anderes nähen und wieder zurück in eure Appliziernaht – solange ihr die Maschine nicht ausschaltet.

Dickes Ziergarn
Bernina kommt super mit dicken Fäden zurecht. Der dickst mögliche, ist ein 30er Garn. Früher nannte man das auch Knopflochgarn, da damit die Knopflöcher von Hand genäht wurden. Dazu wird eine spezielle Nadel benötigt, mit einem sehr großes Öhr, wir benutzen die Nadel von Schmetz 130N in Stärke 90.
Bernina näht natürlich problemlos über die abgebildeten Kappnäht 😉

Stretchstiche
Stretchstichen sind spezielle transportgesteuerte Stiche. Die Stiche entstehen dadurch, dass der Transporteur den Stoff beim nähen immer zwei oder drei Stiche vorwärts und einen oder zwei rückwärts tranportiert, deshalb nennt diese Stiche offiziell transportgesteuerte Stiche. Diese Art von Stichen sind grundsätzlich elastisch.
Achtung: Näht nicht jeden elastischen Stoff unbedingt mit einem Stretchstich, da manche dicke weiche Stoffe durch das vor- und zurücktransportieren ausgewellt werden.
Die Stretchstiche können bei Bernina auch in Länge und Breite verstellt werden.
Bernina kommt von allen normalen Nähmaschinen noch am Besten mit elastischen Stoffen zurecht, es reicht allerdings auch nicht an die Nähqualität einer speziellen Overlockmaschine ran.

Knopfloch
Bernina Nähmaschinen nähen ein vollautomatisches Knopfloch, nur die Knopflochlänge müsst ihr selbst bestimmen. Das ganze geht so:
Ihr steckt die spezielle mitgelieferte Knopflochschiene an. Die Schiene hat einen eingebauten Sensor, so kann die Maschine die Länge des Knopflochs erkennen.
Bevor ihr das Knopfloch auf euer eigentliches Kleidungsstück näht, näht ein Probeknopfloch auf ein Reststück, nach Möglichkeit aus dem gleichen oder einem ähnlichen Stoff. Hierbei sagt ihr eurer Maschine einmal wie lang das Knopfloch werden soll. Die Länge wird gespeichert und jedes nachfolgende Knopfloch wird automatisch genau so lang. Die Breite und Dichte kann im nach hinein noch geändert werden, die Länge bleibt trotzdem erhalten.
Bernina näht beide Seiten des Knopflochs im Vorwärtsstich. Mechanischen Nähmaschinen nähen eine Seite vorwärts und die andere rückwärts.
Manch elektronischen Nähmaschinen nähen beide Siten rückwärts.
Bernina näht das perfekteste Knopflocher – der Neid ist vorprogrammiert 🙂

Die Knopflochschlittenfüsse, wie sie heute von allen Nähmaschinen verwendet werden, sind generell besser als ein normaler Fuß. Er führt das Knopfloch schön gerade, Probleme kann es bei unebenen oder sehr dicken weichen Stoffen geben. Da transportiert der Knopflochschlittenfuss schlecht bis garnicht.
Aber auch das hat Bernina mit der Transporthilfe für Knopflöcher bestens gelöst. Die Transporthilfekönnt ihr als Sonderzubehör dazu kaufen.
Das Teil besteht aus zwei Metallplatten. Auf die obere Platte wird der Knopflochfuß aufgesteckt, zwischen die Platten wird der Stoff gelegt, die untere Platte wird von der Maschine transportiert. So merkt die Maschine garnicht welche Art von Stoff gerade genäht wird, und der Transport ist immer gleichmäßig.
So sind selbst die schwierigsten Stoffe kein Problem 🙂

vollautomatische Knopflöcher
kann die Bernina 300 bis max 5,5mm Breite die 700 Serie bis max. 9mm Breite. Sehr schmale Knopflöcher können natürlich beiden Maschinen.

Koffer, Tasche, Abdeckhaube
Bernina liefert keine Koffer aus Hartkunststoff.
Stattdessen gibt es Taschen oder Stülphauben. Diese Teile sind sehr stabil, gepolstert, und bieten viele Fächer zum verstauen von Zubehör.

Fazit
Die Nähmaschinen von Bernina sind eindeutig die besten elektronischen Nähmaschinen. Die Stichqualität ist unerreicht. Das liegt an der sehr exakten Konstruktion dieser Maschinen. Die Elektronik ist bis ins letzte Detail durchdacht. Sie bietet einen Komfort, von dem man garnicht wußte wie schön er ist.
Für die anspruchsvolle Hobbynäherin ist die Bernina mit Abstand das Beste was es gibt.

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